Was mich bewegte...

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Frank Castle
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Bulgarien (Bulgaria)
Mär 2020 15 11:27

Was mich bewegte...

#1

Warum auswandern?
Das ist eine gute und wichtige Frage, die ich aber leicht beantworten kann.
Seit 1984 lebte und arbeitete ich in Berlin und habe die Höhen und Tiefen der Stadt und des Landes ausgiebig kennen gelernt.
Ich wurde als gelernter Handwerker aus dem schönen Niedersachsen von allen Institutionen und Firmen in Berlin umworben und fürstlich für meine handwerklichen Kenntnisse und Leistung entlohnt.
Es war eine schöne Zeit und Berlin hat mir auch noch eine Zulage gezahlt, damit ich auch ein atraktives Leben im Wohlstand führen kann.
Es vergingen die Jahrzehnte wie im Fluge, meine Einkünfte stiegen, aber leider nicht proportional zu den Kosten.
Dann kam der Euro und wenige Jahre später für mich die Gelegenheit, im öffentlichen Dienst eine neue Orientierung zu finden.
Es war aber auf Dauer kein Segen, sondern ein Fluch. Schichtdienst mit unregelmäßigen Arbeitszeiten, finanzielle Einbußen in den ersten Jahren, da geringes Einstiegsgehalt.
Dafür sprach aber die absolute Sicherheit, diesen Beruf bis zur Rente ohne Existenzängste ausüben zu können.
Hört sich erstmal gar nicht so schlecht an, aber die Stadt, die Politik, die Wirtschaft und die Gesellschaft haben sich aus meiner Sicht in den letzten zehn Jahren nur noch negativ verändert.
Diese Veränderungen waren irgendwann nicht mehr kompatibel mit meinem Anspruch an das Leben.
Ich litt als Dienstleister immer mehr an dem Egoismus, Arroganz, Ignoranz und Dummheit der Mitmenschen.
Auch in meiner Freizeit kam ich nicht mehr zu meiner inneren Ruhe und stand fast vor einem kompletten Burnout.
Das ist aber nur mein persönliches Empfinden, das vermutlich nicht jeder mit mir teilt.
Vielleicht reagiere ich zu sensibel auf mein Umfeld, daher wurde der Wunsch nach Befreiung aus dieser Maschinerie immer größer.
Ein ruhigeres und gesundheitserhaltendes Leben ohne den Irrsinn des deutschen Systems sollte es werden.
Aber wie soll das Aussteigen aus dem Hamsterrad funktionieren, unsere Lebensbestimmung ist doch durch die Gesellschaft und Erziehung vorgegeben.
Oft kam wie bei vielen anderen Menschen auch der Gedanke alles hinzuwerfen und auszuwandern. Schnell kommt man aber wieder von dem Gedanken ab und baut auf die Sicherheit des Systems.
Die Neugier hat mich aber übermannt und dank Internet begannen erste Recherchen. Facebookgruppen und Foren zu durchforsten gehörte stundenlang zu meinen täglichen Aufgaben.
Erste Kontakte mit Ausgewanderten wurden geknüpft und Freundschaften entstanden.
Dann endlich ein längerer Aufenthalt in Bulgarien, um zu entscheiden ob Bulgarien meine neue Heimat werden könnte.
Ich möchte hier nichts schön reden, jeder hat einen anderen Blickwinkel auf Dinge. Es ist nicht alles Gold was glänzt, aber das Leben ist entspannter.
Man muss schon anstrengungsbereit, abenteuerlustig, neugierig, selbstbewusst, spontan und flexibel bei Problemlösungen sein.
Alles vorher zu zerdenken bringt nicht weiter. Ängste halten nur davon ab, mutige Entscheidungen zu treffen.
Die fremde Sprache zum Beispiel ist heutzutage das kleinste Problem.
Wer nicht zu 100% von seiner eigenen Courage überzeugt ist, wird und sollte auch nicht auswandern.
Die Entscheidung ist gefallen und ich sitze heute in meinem Haus in Bulgarien und bereue nicht eine Minute.
Alle Behördengänge sind in den letzten Wochen mit Hilfe von sehr lieben neuen Freunden erledigt und ich versuche mich wieder zu erden und mich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren.

Immanuel Kant (1724 - 1804), deutscher Philosoph, sagte einst:
"Je weniger Bedürfnisse ihr habt, desto freier seid ihr"
Auch wenn der Weg das Ziel ist ... irgendwann wäre es schön, mal anzukommen.

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